Zwei unserer Zimmermädchen sind seit einer Woche krank. Nun muss immer abwechselnd jemand aus den anderen Bereichen diese vertreten. Auch ich. Ich muss ehrlich sagen, dass diese Arbeit nicht unbedingt zu meinen Favoriten gehört. Also ging ich eher lustlos zur Arbeit in dem Wissen, dass ich heute sehr viel Bettwäsche in der Hand haben würde. Auch Staubwischen, Abfalleimer leeren und Geschirr abräumen gehörte dazu. Als ich im Ressort angekommen war, blickte ich auf die Liste der Abreisen. Mir wurde schlecht. Zehn Zimmer waren heute zu reinigen, weil die Gäste abfuhren und natürlich auch gleich wieder neue ins Haus kamen. Staubsauger, Wischwagen und Wäschewagen gehörten zur Ausrüstung. Wenigstens waren wir zu zweit. Trotzdem machte diese Arbeit alles andere als Spaß. Während ich also Wasserbett um Wasserbett mit neuer Wäsche versah und alle anderen Arbeiten vor mich hin murrend erledigte, kam mir ein Gedanke.
Die Kollegin, mit der ich unterwegs war, war ein Zimmermädchen, so lange ich denken konnte. Ich fragte sie, ob sie eigentlich auch Trinkgeld bekamen. „Nein, “ sagte sie, „das geben die immer beim Bezahlen.“ Schuldbewusst fiel mir ein, dass ich da auch eher daran denken hätte können. Ich beschloss, mit der Chefin zu reden.
Die neue Lösung ist, dass das Trinkgeld, das gegeben wird, in einer Kasse gesammelt wird. Nun bekommt jeder seinen Anteil davon am Monatsende. Je nachdem, wie viele Stunden er gearbeitet hat. Diese Lösung ist vor allem für die gerecht, die täglich in den Zimmern unterwegs sind, die Ordnung wieder herstellen und die riesigen Spannbettlaken auf die Wasserbetten aufziehen. Das ist nämlich Knochenarbeit und ich würde für nichts auf der Welt tauschen wollen.
