Es ist durchaus nicht immer leicht, in einem Wellness Ressort auf der Seite des Service Personals zu stehen. Man darf sich weder schlechte Laune anmerken lassen, noch sollte man körperliche Beschwerden nach außen hin zeigen. Jeder, der hier arbeitet, muss immer freundlich und zuvorkommend bleiben, egal, was ihn eigentlich berührt und bewegt. Meine Chefin ist nun wirklich die letzte, die einen nicht nach Hause gehen lässt, wenn man ehrlich sagt, was falsch läuft. Mit Grippe oder schlechtem körperlichen befinden auf die Gäste losgelassen zu werden, ist nicht das, was sie will. Möglichkeiten, die fehlenden Stunden herein zu arbeiten, gibt es immer wieder. Natürlich nicht am laufenden Band, aber wenn man wirklich etwas auf dem Herzen hat, darf man sich auch einmal eine Auszeit nehmen.
Was man immer verbergen muss, ist der Neid auf die Gäste, wie sie ausgeruht nach einer Nacht in den Wasserbetten ans Frühstücksbuffet kommen. Auch, wenn man noch so viel Hunger hat, ist es nicht erlaubt, vor den Gästen etwas zu essen. Man muss eben warten. Ist aber auch kein Problem, denn nachdem das Buffet abgeräumt ist, ist für alle Frühstückspause. Nach Möglichkeit frühstücken alle aus dem Team miteinander, sofern sie nicht gerade in einer Anwendung oder auf den Zimmern beschäftigt sind. Da steht die Chefin schon einmal selbst am Empfang, um uns dieses gemeinsame Frühstück zu ermöglichen. Wer in einem solchen Betrieb arbeitet, muss sich wirklich nicht beschweren. Einen solchen Chef findet man nicht oft. Die Einteilung auf dem Dienstplan ist auch immer so, dass nicht jemand immer Zeit hat und ein anderer nie: Beide, sowohl Chef, als auch Chefin, sind immer korrekt, auf Gleichberechtigung bedacht und sehr verständnisvoll.
Nach einer schlechten oder durchzechten Nacht, aber zum Beispiel auch wenn man einmal von der Abend- in die Frühschicht wechselt, ohne einen freien Tag dazwischen, möchte man sich schon gerne einmal ein Stündchen in eines der Wasserbetten verziehen. Es kommt wirklich nur vor, wenn jemand in der Hochsaison krank wird, und akuter Personalmangel herrscht. Aber es kommt vor, dass man am liebsten alles stehen und liegen lassen und davonlaufen möchte, um die Gäste, die so ekelhaft entspannt sind, nicht anschreien zu müssen. An Tagen, an denen es einem selbst gut geht, ist das eher anders. Man freut sich darüber, dass es den Hotelgästen so gut geht, denn schließlich ist man selbst an diesem Zustand nicht ganz unbeteiligt. Aber wehe, man hat so seine Zipperlein. Dann heißt es Zähne zusammen beißen, die Wasserbetten und die Whirlpools am besten zu ignorieren und ja niemanden merken lassen, dass man mies gelaunt ist.
Da heißt es, freundlichste Mine zu machen, auch wenn die anstrengendsten Gäste gerade an diesem Tag alles Kraft darauf verwenden, noch ein bisschen kräfteraubender zu sein, als sonst. Da müssen die Antworten konstant freundlich bleiben, auch, wenn man zum 800. Mal in einer Woche die gleiche Frage beantworten muss. Auch, wenn man wieder einmal sieht, dass sich die Gäste in keinster Weise Gedanken darüber machen, wie das Personal mit ihren Wünschen zu Recht kommt: Es darf an nichts fehlen, keine Beanstandungen auftreten. Die Chefin und der Chef haben für alles Verständnis, suchen für alles eine Lösung. Nicht toleriert werden von ihnen das Vernachlässigen der Pflichten oder unzufriedene Ressort-Besucher. Man kann diese Dinge von Grund auf ausschließen, wenn man ehrlich ist. Meistens bekommt man frei oder eine andere, leichtere Arbeit. Wer da den Mund hält, ist selbst schuld; der muss sich eben selber durchbeißen.
Ich selbst bin in der glücklichen Lage, zu Hause auch ein Wasserbett zu besitzen. Wenn die Stunden auch manchmal gar nicht vergehen wollen: Ich weiß dennoch, dass ich am Abend in einem wohlig warmen Bettchen liegen werde. Andere Tage machen Spaß und vergehen, wie im Flug. Und die überwiegen; ich habe also einen Traumjob!
